Was Bewerber von Freiberuflern lernen können

Bewerberwebseiten

Wer sich im Kampf um den Traumjob gegen seine Mitbewerber durchsetzen möchte, der muss überzeugen, aber nicht marktschreierisch sein. Eine eigens für Bewerbungen aufgesetzte Webseite kann die eigene Bewerbung noch weiter aufwerten, um gegenüber der Konkurrenz beim Personalverantwortlichen herauszuragen. Für welche Jobprofile sich eine Bewerberwebseite eignet und was bei der Erstellung zu beachten ist, weiß Prof. Dr. Wolfgang Jäger von JobStairs.

Unter Freiberuflern sind Portfolio-Webseiten, vor allem für Kreativdienstleistungen, ein Standardtool der Selbstvermarktung und Kundengewinnung. Der Fokus solcher Webseiten liegt auf der Startseite und einigen wenigen Unterseiten. Auf diesen wenigen Webseiten muss der Texter, Designer oder Grafiker den potenziellen Kunden einfangen, abholen und von seiner Expertise überzeugen. Die Portfolio-Site ist eine auf maximale Konversion optimierte Webseite und funktioniert ähnlich wie eine Bewerbung -quasi als digitale Bewerbungsmappe.

Aus diesem Grund sind Bewerberwebseiten eine sinnvolle Ergänzung zu einer klassischen Bewerbungsmappe. Die Erstellung eigener Webseiten ist dank intuitiv zu bedienender WYSIWYG-Editoren und Website-Vorlagen ein Kinderspiel. Das Hosting einer Webseite kostet mittlerweile nur paar Euro im Monat. Dennoch scheuen viele Bewerber, sich dem potenziellen Arbeitgeber im Netz mit einer eigenen Webseite zu präsentieren.

Für wen sich Bewerberwebseiten lohnen

Eine Bewerberwebseite ist nicht für jedes Jobprofil geeignet. Wer sich auf kreativ-künstlerische Jobs oder auf eine Stelle im IT-Umfeld bewirbt, der macht mit einer persönlichen Webseite selten etwas falsch. Bei anderen Jobprofilen ist die Erwartungshaltung des Personalverantwortlichen zu berücksichtigen. Für einen Job im Vertriebsinnendienst oder der Personalbuchhaltung ist eine Bewerberwebseite natürlich denkbar, bringt aber dem Personalverantwortlichen keinen entscheidenden Mehrwert, weshalb er den Bewerber zum Vorstellungsgespräch einladen sollte.

Eine Bewerbungswebseite hat nur dann einen positiven Effekt, wenn sie einen konkreten Mehrwert für den Personalverantwortlichen transportiert. Ohne diesen Mehrwert ist eine Bewerbungswebseite nicht überzeugend, sondern nur laut wie ein Verkäufer auf dem Hamburger Fischmarkt. Ein Mehrwert ist beispielsweise eine Bildergalerie kreativer Arbeitsproben. Ein Webdesigner zeigt auf der Bewerberseite, was er technisch und gestalterisch kann. Bei einer Bewerbung als Eventmanager präsentiert der Jobsuchende Fotos, Presseberichte und Videos von Veranstaltungen, die er bereits im beruflichen und privaten Umfeld erfolgreich auf die Beine gestellt hat.

Domain und Hosting sind das Fundament

Eine Bewerberwebseite besteht aus der Homepage und einigen Unterseiten. Der Bedarf an Speicherplatz auf dem Server ist in der Regel überschaubar. Wer keine eigene Sever besitzt, der mietet den benötigten Webspace bei einem externen Provider. Je nach Anbieter und gewähltem Hostingpaket liegen die Preise zwischen 9,99 Euro und 19,99 Euro. Hinzu kommen bei einigen Anbietern einmalige Einrichtungsgebühren. Mit einem solchen Hostingpaket erwirbt sich der Bewerber zugleich die Webdomain, unter der seine Webseite registriert wird. Bei der Auswahl des Domainnames eignet sich zum Beispiel der Vor- und Nachname: www.vorname-nachname.de. Weil Domains immer nur ein einziges Mal vergeben werden können, steht der gewünschte Name nicht immer zur Verfügung. Hier ist bei der Namensgebung Kreativität gefragt.

Aufbau und Inhalte der Bewerberwebsite

Welche Informationen ein Bewerber auf seine Webseite stellt, hängt vom Jobprofil ab. Eine Bewerberseite ist keine private Homepage, sondern ein Tool im beruflichen Kontext und sollte auch dementsprechend gestaltet und getextet sein. Eine Bewerberseite ist aber auch kein Ersatz für eine Bewerbung. Sie unterstützt eine klassische Bewerbung, indem sie zusätzlich Aufmerksamkeit und Neugier beim Recruiter weckt. Klickt der Personaler auf die Webseite, dann muss sie helfen, ihn zu überzeugen, dass Sie der richtige Bewerber für den gesuchten Job sind. Soweit die Theorie. Welche Bestandteile gehören auf eine Bewerberwebseite? Und wie gestalte ich sie in der Praxis?

„Das Impressum ist ein Pflichtbestandteil der allermeisten Webseiten. Zwar sind rein private Webseiten von der Pflicht ausgenommen, wir empfehlen auf Grund der komplexen Rechtslage dennoch ein Impressum aufzunehmen“, rät Prof. Jäger. Ein Impressum beinhaltet eine ladungsfähige Anschrift des Inhabers einer Website, damit rechtliche Ansprüche gegen diesen gerichtlich durchgesetzt werden können.

 

Pflichtangaben im Impressum

Die nachfolgenden Informationen muss jedes „Impressum“ enthalten, wenn es sich um eine natürliche Person handelt:

  • Familienname
  • Vorname
  • vollständige (ladungsfähige) Anschrift. Dazu gehört die Postleitzahl, der Ort, die Straße und die Hausnummer. Ein Postfach ist nicht ausreichend.
  • Dazu zählt eine E-Mail-Adresse und ein weiteres elektronisches oder nicht-elektronisches Kommunikationsmittel. Wer beispielweise seine Telefonnummer nicht im Internet öffentlich machen möchte, kann zum Beispiel ein Kontaktformular auf der Impressumsseite einbinden.

Quelle: Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

 

Die einfachste Form einer Bewerbungswebseite entspricht der klassischen Bewerbung. Die Startseite enthält einen kurzen Einleitungstext, welchem Zweck diese Webseite dient und welche Informationen der Personaler darauf findet. Es folgen auf Unterseiten Angaben zum beruflichen Werdegang, zur Ausbildung und zu besonderen Qualifikationen. Auf einer weiteren Unterseite stellt der Bewerber dar, wer er ist (Ich bin… Event-Marketing-Profi mit dreijähriger Erfahrung in…), welche Assets er zu bieten hat (Ich habe… für einen befreundeten Künstler drei Vernissagen im Rahmen des Berliner Kultur-Sommers organisiert) und welche Ziele er mit dieser Bewerbung verfolgt (Ich will… eine neue Herausforderung in einem international aufgestelltem Unternehmen). Optional stehen beispielsweise ein ausführlicher Lebenslauf, Arbeitsproben und Zeugnisse zum Download bereit.

Dieser Aufbau ist sehr strukturiert, aber wenig sexy, wie es im Werbersprech heißt. Im Wesentlichen ist diese Form der Bewerbungsseite eine digitale Version der schriftlichen Bewerbung. „Wer den Personalverantwortlichen überzeugen und begeistern möchte, dem rate ich zu mehr Kreativität“, sagt Prof. Dr. Jäger. „Es lohnt sich der Blick auf unterschiedliche Portfoilio-Seiten von Freiberuflern. Hier können sich Bewerber einige Anregungen für die Gestaltung und das Texten holen“, so Prof. Jäger weiter.

 

 

Mit ein paar Anpassungen an den Inhalten lässt sich diese Portfolio-Webseite als Bewerberwebseite einsetzen. Die Navigation sähe beispielsweise so aus: „My story“ (Lebenslauf), „My Projects” (Arbeitsproben), “My Photos”, “Hire me” (Kontaktformular) und „Contact/Imprint“. Durch die Call-to-Action „Check out my work“ wird der Interessierte direkt angesprochen und zu einer Handlung – sich näher mit Janna zu beschäftigen – motiviert. Auf der Homepage dieser Webseite gibt Janna in wenigen starken Worten die Antworten auf die oben bereits gestellten Fragen: Wer bin ich? Was biete ich? Was will ich?

Die folgenden No-Go’s sollten Bewerber auf ihren Webseiten unbedingt vermeiden:

  • Fehler in Grammatik und Rechtschreibung
  • Lücken im Lebenslauf
  • tote Links
  • kein Impressum/keine Kontaktdaten
  • Informationen, die keinen Bezug zur Bewerbung haben

 

Passwortschutz ja oder nein

Eine Bewerberwebseite enthält eine Fülle an persönlichen Daten. Um diese Daten nicht öffentlich im Internet zu publizieren, schützen einige Bewerber ihre Webseite durch ein Passwort, das sie dem Personaler in separater E-Mail mitteilen. Dieses Vorgehen hat allerdings den Nachteil, dass die Passworteingabe als Konversionskiller funktioniert. „Es gibt Personaler, die sich passwortgeschützte Bewerberwebseiten nicht anschauen“, weiß Prof. Jäger. „Daher muss der Bewerber für sich entscheiden, ob ihm der Schutz der eigenen Daten wichtiger ist, als eine mögliche Einladung zu einem Bewerbungsgespräch“, so Prof. Jäger weiter.

 

Weil Bewerbungswebseiten immer noch eher die Ausnahme als die Regel sind, stehen die Chancen gut, dass Personalverantwortliche neugierig auf die Webseite eines Bewerbers reagieren. Allerdings zeichnet sich in der Bewerber- und Recruitmentkultur aktuell ein alternativer Trend ab. Bewerber verweisen zusätzlich zum klassischen Lebenslauf in einer Bewerbung immer öfter auf die Lebensläufe in einem Business-Social-Network. Bewerber sollten sich entscheiden, ob sie zusätzlich zu einer Bewerbungswebseite auch einen Kurzlebenslauf auf Xing & Co. dem Personaler zukommen lassen oder diesen auf der Bewerberwebsite einbinden.