„Der Bewerbungscode“: Was eine Stellenanzeige zwischen den Zeilen verrät: Erwartungen an die Mitarbeitenden.

Versteckte Botschaften in einer Stellenanzeige? Aber sicher doch! Es gibt sie bei der Selbstbeschreibung der Unternehmen und auch bei den Erwartungen, die das Unternehmen an die künftigen Mitarbeiter:innen stellt. Wer die scheinbar harmlosen Formulierungen entschlüsselt, erfährt oft mehr über das Unternehmen, als die Personalabteilung eigentlich Preis geben wollte. Im zweiten Teil unserer JobStairs-Reihe „Der Bewerbungscode“ verraten unsere HR-Experten, was hinter den gängigen Formulierungen zu den Ansprüchen an einen Kandidaten / eine Kandidatin steckt.

Das wollen Unternehmen von potenziellen Mitarbeiter:innen sehen

„Sie sind belastbar und flexibel? Auf Sie warten interessante Aufgaben und Herausforderungen.“ Solche und ähnliche Formulierungen lesen Bewerberinnen und Bewerber in vielen Stellenanzeigen. Unternehmen kommunizieren positiv besetzte Begriffe, um sich möglichst attraktiv darzustellen und somit möglichst viele Talente anzusprechen.

Hinter solchen Floskeln verstecken sich jedoch oftmals bestimmte Erwartungshaltungen. Bewerber:innen, die diesen versteckten Code kennen, können daraus ablesen, wie es in einem Unternehmen wirklich zugeht.

Typische Floskeln zu den Ansprüchen an Mitarbeiter:innen und was sie bedeuten

Wie Unternehmen ihre Erwartungen an potenzielle Kandidat:innen in Stellenanzeigen kommunizieren, gibt einen Einblick in deren Unternehmenskulturen. Diese Floskeln sind in vielen Stellenanzeigen zu finden. Hier eine Auswahl in alphabetischer Reihenfolge und bewusst pointiert:

  • Sie sind „abschlussorientiert“
    Hier zählt einzig und allein der Verkaufserfolg. Mit welchen Methoden ihr den Sale abschließt, spielt erst in zweiter Linie eine Rolle. Zudem könnt ihr davon ausgehen, dass eure Verkaufsabschlüsse genauestens dokumentiert werden, um bei Minderleistungen zeitnah reagieren zu können.

  • Sie sind „belastbar“
    Rechnet besser mit regelmäßigen Überstunden. Ihr werdet bis an die Grenze eurer Leistungsfähigkeit in Anspruch genommen und müsst dann aber 100-prozentig funktionieren.

  • Sie sind „dynamisch“
    Bei euch krempeln sich die Hemdsärmel von alleine auf? Ihr zieht Kolleg:innen, das Team und die Abteilung durch eure Begeisterung mit und legt euch beständig ins Zeug, damit das Unternehmen seine Ziele erreicht. Doch fragt euch mal: „Wer im Unternehmen fühlt sich für eure Motivation zuständig?“

  • Sie sind „eigenverantwortlich“
    Sucht euch eure Aufgaben selbst und entwickelt eigene Lösungen. Was sich nach dem Himmel auf Erden anhört, kann sich schnell in die Hölle verwandeln. Geht etwas schief, seid ihr alleine Schuld, denn ihr habt euch die Aufgabe ausgesucht und damit die Verantwortung übernommen.

  • Sie zeigen „hohe Einsatzbereitschaft“
    Ihr habt eine/n Partner:in, Kinder, Hobbies? In einem Unternehmen, das von euch „hohe Einsatzbereitschaft“ fordert, seid ihr immer verfügbar, wenn die Firma euch benötigt. Euer Privatleben könnt ihr also genießen, wenn ihr in Rente seid.

  • Sie haben „Erfolgswillen“
    Den werdet ihr brauchen, denn in einem solchen Unternehmen herrscht oft ein knallharter Wettbewerb. Sich zu motivieren und sich auch gegen den Widerstand von Kolleg:innen durchzusetzen, darf für euch kein Problem darstellen.

  • Sie sind „flexibel“
    Wie schon an anderer Stelle erwähnt, ist das Werben mit Selbstverständlichkeiten ein Alarmsignal. Flexibilität ist in der modernen Arbeitswelt der Regelfall. Der ausdrückliche Hinweis kann ein Zeichen dafür sein, dass eure Aufgaben im Job mehr als normal wechseln und die Einarbeitung in diese Jobs euch selbst überlassen ist.

  • Sie zeigen „Fortbildungsbereitschaft“
    Der Chef oder die Chefin erwartet, dass ihr in euren Aufgabengebieten stets auf dem neuesten Wissenstand seid. Ob das Unternehmen allerdings „förderungsbereit“ und eure Fort- und Weiterbildungen auch finanziell unterstützt, solltet ihr auf jeden Fall im Gespräch klären.

  • Sie sind „freundlich“ oder „kundenorientiert“
    Achtung! Selbstverständlichkeit. Ihr habt zu lächeln. Ihr seid immer verbindlich und bleibt höflich, auch wenn ihr am anderen Ende der Telefonleitung übelst beleidigt werdet. Unternehmen, die Freundlichkeit und Kundenorientierung ausdrücklich betonen, wissen, dass ihre Kund:innen, mit denen ihr es nachher zu tun bekommt, das genaue Gegenteil sind.

  • Sie haben „kommunikative Fähigkeiten“
    Wenn ihr häufige Telefonate, Meetings und Kundenbesuche liebt, dann ist ein Jobangebot, das diese Floskel enthält, für euch genau richtig. Handelt es sich bei dem Job um eine Führungsposition, könnte der Hinweis bedeuten, dass ihr immer wieder zwischen Mitarbeitenden vermittelnd eingreifen müsst.

  • Sie sind „kreativ“
    Kreative Mitarbeiter:innen sind in der Lage, auf jede neue Herausforderung zu reagieren und auch eine adäquate Lösung zu präsentieren. Hilfe müsst ihr aber nicht unbedingt erwarten, denn die weniger kreativen Kolleginnen und Kollegen kennen sich mit der Materie ohnedies nicht aus.

  • Sie sind „mobil“ oder Sie zeigen „Reisebereitschaft“
    „On the road again”. Mobil seid ihr, wenn ihr einen Führerschein und ein Auto habt. Egal, ob eigenes Auto oder Firmenwagen, ihr werdet viel unterwegs sein, in Hotels nächtigen und Büroarbeiten auf dem Laptop außerhalb der Arbeitszeiten und am Wochenende erledigen müssen.

  • Sie „lieben Ordnung“
    Ordnung ist bekanntlich das halbe Leben. Unternehmen, die solche Ansprüche an ihre Mitarbeitenden stellen, setzten klare Prioritäten: das Arbeitsleben. Innovationen? Besondere Leistungen? Egal, hauptsache der Schreibtisch ist immer aufgeräumt.

  • Sie sind ein „Organisationstalent“
    Fortlaufend das Chaos ordnen und verschiedene Dinge zu einem großen Ganzen zusammenführen. Das erwartet euch bei einem Unternehmen, dass auf diese Floskel verweist. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob ihr mit der Materie, die ihr ordnen sollt, auch vertraut seid.
  • Sie sind „pünktlich“
    „Arbeitsbeginn ist Punkt 08:00 Uhr und nicht eine Minute später.“ Wer in einem solchen Unternehmen arbeiten will, kann davon ausgehen, dass er vor allem durch Disziplin, als durch Innovationskraft oder Führungsstärke, überzeugen muss.

  • Teamfähigkeit
    Wer sich anpasst und seine eigenen Ideen und beruflichen Bedürfnisse zurücknimmt, der wird es im Unternehmen weit bringen.

  • Sie „denken unternehmerisch“
    Auf der einen Seite der Unternehmer / die Unternehmerin, auf der anderen Seite der Mitarbeiter / die Mitarbeiterin. Wird eine unternehmerische Denke erwartet, kann das bedeuten, dass Mitarbeiter:innen ausschließlich die Unternehmerbrille aufzusetzen haben, auch wenn es gegen ihre eigenen Interessen geht.

  • Sie sind zielstrebig
    Schnell, schneller, sofort! Jede Aufgabe hat unbedingt in kürzester Zeit erledigt zu werden. Gefragt und diskutiert wird nicht.

Dies sind nur einige der in Stellenanzeigen verwendeten Floskeln, mit denen Unternehmen die Erwartungen an potenzielle Mitarbeiter beschreiben. Zusammen mit dem ersten Teil „Der Bewerbungs-Code: Was eine Stellenanzeige zwischen den Zeilen verrät“ sind Sie gut gerüstet, um die eine oder andere Stellenzeige „richtig“ zu lesen.