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„Der Bewerbungscode“ Was eine Stellenanzeige zwischen den Zeilen verrät: Erwartungen an die Mitarbeiter

Versteckte Botschaften in einer Stellenanzeige? Aber sicher doch! Es gibt sie bei der Selbstbeschreibung der Unternehmen und auch bei den Erwartungen, die das Unternehmen an den künftigen Mitarbeiter stellt. Wer die scheinbar harmlosen Formulierungen entschlüsselt, erfährt oft mehr über das Unternehmen, als der Personaler eigentlich Preis geben wollte. Im zweiten Teil unserer JobStairs-Reihe „Der Bewerbungscode“ verraten wir, was hinter den gängigen Formulierungen zu den Ansprüchen an einen Kandidaten steckt.

Das wollen Unternehmen von potenziellen Mitarbeitern sehen

„Sie sind belastbar und flexibel? Auf Sie warten interessante Aufgaben und Herausforderungen.“ Solche und ähnliche Formulierungen lesen Bewerber in vielen Stellenanzeigen. Der Personaler kommuniziert positiv besetzte Begriffe, um sein Unternehmen attraktiv darzustellen und lockt somit viele Bewerber an.

Hinter solchen Floskeln verstecken Unternehmen jedoch oftmals eine ganz bestimmte Erwartungshaltung. Bewerber, die diesen versteckten Code kennen, erfahren, wie es in einem Unternehmen wirklich zugeht. „Der Bewerbungscode ist nicht allgemeingültig. Es sind Interpretationen, die sich aber durch eine Vielzahl von Beispielen aus der Praxis belegen lassen“, schränkt Prof. Dr. Wolfgang Jäger von JobStairs ein. „In der Praxis ist es zudem so, dass diese Floskeln sich von Stellenangebot zu Stellenangebot weitervererben, also mehr oder minder ungeprüft übernommen werden“, so Prof. Jäger weiter.

Typische Floskeln zu den Ansprüche an Mitarbeiter und was sie bedeuten

Wie Unternehmen ihre Erwartungen an einen potenziellen neuen Mitarbeiter in einer Stellenanzeige kommunizieren, gibt dem Bewerber einen tieferen Einblick die Unternehmenskultur des potenziellen neuen Arbeitgebers. Diese Floskeln sind in vielen Stellenanzeigen zu finden. Hier eine Auswahl in alphabetischer Reihenfolge und bewusst pointiert:

  • Sie sind „abschlussorientiert“
    Hier zählt einzig und allein der Verkaufserfolg. Mit welchen Methoden Sie den Sale abschließen, spielt erst in zweiter Linie eine Rolle. Zudem können Sie davon ausgehen, dass Ihre Verkaufsabschlüsse genauestens dokumentiert werden, um bei Minderleistungen zeitnah reagieren zu können.
  • Sie sind „belastbar“
    Rechnen Sie mit vielen Überstunden durch ständige Mehrarbeit. Sie werden bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit in Anspruch genommen und müssen dann aber 100-prozentig funktionieren.
  • Sie sind „dynamisch“
    Bei Ihnen krempeln sich die Hemdsärmel von alleine auf? Sie ziehen Kollegen, das Team und die Abteilung durch Ihre Begeisterung mit und legen sich beständig ins Zeug, damit das Unternehmen seine Ziele erreicht. Doch fragen Sie sich einmal: „Wer im Unternehmen fühlt sich für meine Motivation zuständig?“
  • Sie sind „eigenverantwortlich“
    Suchen Sie sich Ihre Aufgaben selber und entwickeln Sie eigene Lösungen. Was nach dem Himmel auf Erden anhört, kann sich schnell in die Hölle verwandeln. Geht etwas schief, sind Sie alleine Schuld, denn Sie haben sich die Aufgabe ausgesucht und damit die Verantwortung übernommen.
  • Sie zeigen „hohe Einsatzbereitschaft“
    Sie haben einen Partner, Kinder, Hobbies? In einem Unternehmen das von Ihnen „hohe Einsatzbereitschaft“ fordert, sind Sie immer verfügbar, wenn die Firma Sie benötigt. Ihr Privatleben können Sie genießen, wenn Sie in Rente sind.
  • Sie haben „Erfolgswillen“
    Den werden Sie brauche, denn in einem solchen Unternehmen herrscht oft ein knallharter Wettbewerb. Sich zu motivieren und sich auch gegen den Widerstand von Kollegen durchzusetzen, darf für Sie kein Problem darstellen.
  • Sie sind „flexibel“
    Wie schon an derer Stelle erwähnt, ist das Werben mit Selbstverständlichkeiten ein Alarmsignal. Flexibilität ist in der modernen Arbeitswelt der Regelfall. Der ausdrückliche Hinweis kann ein Zeichen dafür sein, dass Ihr Aufgaben im Job mehr als normal wechseln und die Einarbeitung in diese Jobs Ihnen selber überlassen ist.
  • Sie zeigen „Fortbildungsbereitschaft“
    Der Chef erwartet, dass Sie in Ihrem Aufgabengebieten stets auf dem neuesten Wissenstand sind. Ob das Unternehmen allerdings „Förderungsbereit“ und Ihre Fort- und Weiterbildungen auch finanziell unterstützt, sollten Sie auf jeden Fall im Gespräch klären.
  • Sie sind „freundlich“ oder „kundenorientiert“
    Achtung! Selbstverständlichkeit. Sie haben zu lächeln. Sie sind immer verbindlich und bleiben höflich, auch wenn Sie am anderen Ende der Telefonleitung übelst beleidigt werden. Unternehmen, die Freundlichkeit und Kundenorientierung ausdrücklich betonen, wissen, dass ihre Kunden, mit denen Sie es nachher zu tun bekommen, das genaue Gegenteil sind.
  • Sie haben „kommunikative Fähigkeiten“
    Wenn Sie häufige Telefonate, Meetings und Kundenbesuche lieben, dann ist ein Jobangebot, das diese Floskel enthält, für Sie genau richtig. Handelt es sich bei dem Job um eine Führungsposition, könnte der Hinweis bedeuten, Sie müssen immer wieder zwischen Mitarbeitern vermittelnd eingreifen.
  • Sie sind „kreativ“
    Kreative Mitarbeiter sind in der Lage auf jede neue Herausforderung zu reagieren und auch eine adäquate Lösung zu präsentieren. Hilfe müssen Sie aber nicht unbedingt erwarten, denn die weniger kreativen Kollegen kennen sich mit der Materie ohnedies nicht aus.
  • Sie sind „mobil“ oder Sie zeigen „Reisebereitschaft“
    „On the road again”. Mobil sind Sie, wenn Sie einen Führerschein und ein Auto haben. Egal ob eigenes Auto oder Firmenwagen, Sie werden viel unterwegs sein, in Hotels nächtigen und Büroarbeiten auf dem Laptop außerhalb der Arbeitszeiten und am Wochenende erledigen müssen.
  • Sie „lieben Ordnung“
    Ordnung ist bekanntlich das halbe Leben. Unternehmen, die solche Ansprüche an ihre Mitarbeiter stellen, setzten klare Prioritäten: das Arbeitsleben. Innovationen? Besondere Leistungen? Egal, Hauptsache der Schreibtisch ist immer aufgeräumt.
  • Sie sind ein „Organisationstalent“
    Fortlaufend das Chaos ordnen und verschiedene Dinge zu einem großen Ganzen zusammenführen. Das erwartet Sie bei einem Unternehmen, dass auf diese Floskel verweist. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob Sie mit der Materie, die Sie ordnen sollen, auch vertraut sind.
  • Sie sind „pünktlich“
    „Arbeitsbeginn ist Punkt 08:00 Uhr und nicht eine Minuten später.“ Wer in einem solchen Unternehmen arbeiten will, kann davon ausgehen, dass er vor allem durch Disziplin überzeugen muss, denn durch Innovationskraft oder Führungsstärke.
  • Teamfähigkeit
    Wer sich anpasst und seine eigenen Ideen und beruflichen Bedürfnisse zurücknimmt, der wird es im Unternehmen weit bringen.
  • Sie „denken unternehmerisch“
    Auf der einen Seite der Unternehmer, auf der anderen Seite der Mitarbeiter. Wird eine unternehmerische Denke erwartet, kann das bedeuten, dass Mitarbeiter ausschließlich die Unternehmerbrille aufzusetzen haben, auch wenn es gegen ihre eigenen Interessen geht.
  • Sie sind zielstrebig
    Schnell, schneller, sofort! Jede Aufgabe hat unbedingt in kürzester Zeit erledigt zu werden. Gefragt und diskutiert wird nicht.

Dies sind nur einige der in Stellenanzeigen verwendeten Floskeln, mit denen Unternehmen die Erwartungen an potenzielle Mitarbeiter beschreiben. Zusammen mit dem ersten Teil „Der Bewerbungs-Code“: Was eine Stellenanzeige zwischen den Zeilen verrät, sind Sie gut gerüstet, um die eine oder andere Stellenzeige „richtig“ zu lesen.